Pflanz dir deine Stadt!

0 Posted by - 9. März 2018 - Allgemein

Frühlingserwachen

Klopf, klopf – laut und deutlich hören wir ihn an unsere Gartentür klopfen, den Frühling. Alles sprießt, die Gartenzeitschriften liegen bereit und der grüne Daumen ist kaum noch zu halten. Gut so, denn im Garten, auf dem Balkon und der Terrasse es gibt jetzt eine Menge zu tun.

Garten- und Terrassenbesitzer können bei den milden Temperaturen schon mal damit beginnen, Beete oder Töpfe vorzubereiten. Am besten man nimmt einen Bodenlockerer zur Hand, auch Sauzahn genannt. Der kann eine bis fünf Zacken haben und ist das geeignetste Gerät für eine schonende Bodenlockerung. Balkon- und Terrassengärtner nehmen hier eine Topfkralle. Die eignet sich nicht nur zum Vorziehen der Jungpflanzen, sondern ist das optimale Hilfsmittel zum Belüften der Blumentöpfe. Als Faustregel gilt: der Boden ist erst dann bereit, wenn er sich ohne viel Mühe umgraben lässt. Ist alles nass und klebrig ist, wartet lieber noch ein wenig. Wichtig ist, bei der Arbeit immer vorsichtig vorzugehen. Den Boden unter den Sträuchern, Staudenstängeln und Samenständen, die im Winter stehen gelassen wurden, nutzen Kröten und andere Untermieter gerne für ihren Winterschlaf. Wer es verabsäumt hat, sich im Winter der Gartenplanung zu widmen, hat jetzt noch Zeit dafür. Ein guter Grund, sich durch kluge Gestaltung mehr Natur vor die Haus- oder Balkontüre zu holen.
Wer genug Platz hat, sollte auf keinen Fall darauf verzichten, sein eigenes Gemüse anzubauen. Dabei ist es wichtig auf die Fruchtfolge sowie die richtige Mischkultur zu achten (was kommt wann mit wem wohin), denn nicht alle Gemüsesorten vertragen sich untereinander. Paradeiser sind z.B. besonders heikel. Am liebsten stehen sie allein, arrangieren sich aber gerne mit Basilikum, Dill oder Petersilie. Wer keinen Garten hat, holt sich das essbare Grün einfach auf die Terrasse oder den Balkon. Es gibt mittlerweile viele Sorten, die prima in Töpfen gedeihen.

DIY-Tipp: Outdoor-Schutz

Nehmt dafür abgeschnittene 1,5-Liter Plastikflaschen und stülpt sie über das junge Gemüse. Das bietet Schutz vor starken Temperaturschwankungen. Damit sie gut durchlüftet werden, den Deckel abnehmen.

DIY-Tipp: Kräutergarten am Geländer

Ihr braucht:

  • 4 große Plastikflaschen
  • Schere
  • Außenlack
  • Pinsel
  • Lochstanzer
  • Gartenerde
  • Tonscherben
  • feste Schnur
  • 4 Kräuterpflanzen wie Petersilie, Basilikum, Schnittlauch, Thymian oder Oregano

Und so geht´s:

Mit der Schere die obere Hälfte der Flasche abschneiden. Die Flasche von Außen mit farbigem Lack anmalen. Nach dem Trocknen mindestens 3mm große Löcher in den Boden stechen. Mit einem Lochstanzer (ihr könnt auch einen Schraubenzieher nehmen) zwei Löcher unter den Rand der Flasche stanzen. Eine Lage Tonscherben auf den Boden jeder Flasche streuen. Damit die Erde durchlässiger wird – Kräuter verabscheuen Staunässe – empfehlen wir euch, Kies im Verhältnis 1:4 in das Substrat zu mischen. Flaschen befüllen, Erde gut andrücken und alles gießen. Zum Schluss Schnüre durch die Löcher ziehen und den Kräutergarten am Gelände befestigen.

Foto von Tor Lindstrand auf dem Pflanzen in hängenden Plastikflaschen zu sehen sind.

Selber ziehen statt fertig kaufen

Wesentlich preiswerter als Setzlinge zu kaufen, ist es die Gemüsepflanzen selbst zu ziehen. Außerdem macht das viel mehr Spaß. Jetzt kommt die ideale Zeit, um Gemüse auszusäen. Erbsen, dicke Bohnen, Karotten, Spinat und Salat säht man direkt ins Beet. Melanzani, Zucchini, Paradeiser, Paprika, Chili und alle Kohlsorten müssen vorgezogen werden, am besten auf der Fensterbank, bei ausreichend Licht. Bekommen die Sämlinge zu wenig davon, werden sie lang und dünn. Auch Sommerblumen könnt ihr auf der Fensterbank vorziehen. Robuste einjährige Blumen wie Ringelblumen, Schleierkraut, Winden und Wicken hingegen jetzt schon direkt im Freiland aussäen. Alles andere kommt erst nach den Eisheiligen raus, wenn keine Fröste mehr zu erwarten sind (11.-15. Mai).

Unser Tipp: bevor die kleinen Setzlinge nach draußen übersiedeln, kann man sie während des Tages ins Freie stellen. Das härtet sie ab und macht sie robuster.

DIY-Tipp: Originelle Kinderstube

Eierschalenhälften, Joghurtbecher, Obstschalen oder selbst gerollte Aussaattöpfe aus Altpapier sind nicht nur preiswert, sondern auch die umweltschonende Alternative zu Plastik- und Torfgefäßen. Letztere verrotten zwar im Boden, für ihre Herstellung muss aber Torf aus Mooren gestochen werden, die nur sehr langsam nachwachsen.

Foto von Kate Fries auf dem Pflanzensetzlinge in einem Eierkarton zu sehen sind.

Kleine Pflanzenkunde: Gemüseraritäten

Wusstet ihr eigentlich, dass es über 20.000 verschiedene Paradeissorten gibt? Leider ist diese unglaubliche Vielfalt bei der „industriellen“ Zucht abhanden gekommen. Zum Glück gibt es immer mehr Initiativen, die sich der Rettung von altem Saatgut und gefährdeter Kulturpflanzen annehmen. Im kleinen Rahmen kann übrigens jeder Hobbygärtner dazu beitragen, denn es gibt auch für Balkonien jede Menge spannender Raritäten. Probiert es doch mal mit der Chili „Pretty in Purple“, dem afrikanischen Strauchbasilikum oder der köstlich schmeckenden „Gelben Johannisbeere“. Sie ist die kleinste aller Paradeiser und trägt im Sommer pro Pflanze sagenhafte 6.000 Früchte.

Es gibt über 20.000 verschiedene Paradeissorten. Einige dieser Tomaten sind auf diesem Foto zu sehen.

Ein besonderer Geheim-Tipp für interessante und vor allem günstige Pflanzen und Blumen sind Tauschmärkte und die Bundesgärten. Bei den Pflanzentauschbörsen (mitmachen kann jeder!) tauschen Hobby-Gärtnern Pflanzen, Ableger und Samen oder verkaufen sie gegen eine kleine Spende. Auch die Bundesgärten geben Pflanzen äußerst günstig ab! Überzählige Sommerblumen aus der eigenen Produktion werden gegen Kostenersatz verkauft. Jedes Jahr im Mai findet außerdem der Pflanzenflohmarkt der Bundesgärten statt. Überschüssige Pflanzen aus den Botanischen Sammlungen, der Baumschule und der Blumenproduktion der Bundesgärten Wien können – wieder gegen Kostenersatz – erstanden werden.

Natur im Garten

Heute sind Unterkünfte für Gartenbewohner wie Totholz, alte Bäume, hohe Sträucher und undurchdringliches Gestrüpp selten geworden. Hier könnt ihr unterstützend eingreifen, indem ihr Vögeln oder Fledermäusen selbst gebaute Nistkästen zur Verfügung stellt. Auch Nützlingshäuser lassen ganz einfach selber basteln. Sie werden am besten an Südwänden oder auf der Südseite von Bäumen regen- und windgeschützt aufgestellt oder aufgehängt. Wer im Garten oder auf Balkon und Terrasse Bienen, Hummeln oder Schmetterlinge anlocken möchte, pflanzt am besten weiße, blaue, gelbe oder purpurrote Pflanzen. Diese Insekten finden ultraviolette Farbtöne besonders anziehend. Als Nektar-Tankstellen am Balkon eignen sich besonders duftende Kräuter wie Lavendel, Oregano, Salbei, Thymian, Rosmarin, Basilikum oder Borretsch sowie Taubnesseln, Phlox, Lobelien, Geißblatt, Kugeldistel und Große Brennnessel (Urtica dioica). Auch die wunderschön blühenden Sommer- und Herbstastern sowie der Mauerpfeffer bieten den Schmetterlingen reichlich Nahrung.

Infos: die umweltberatung 

Foto von Silke Maringer auf dem ein Nützlingshaus oder Bienenhotel zu sehen ist.

Urban Gardening

Stadtgärtnern liegt voll im Trend. Wer keinen eigenen Balkon hat, kann in Nachbarschaftsgärten mit Gleichgesinnten Gemüse, Kräuter und Obst ziehen. Auch Baumscheiben oder Grünstreifen in der Stadt können leicht mit einjährigen Sommerblumen, die sich selbst aussäen, bepflanzt werden. In Wien gibt es in einigen Bezirken das Projekt „Garteln um’s Eck“, wo Bewohnerinnen und Freizeit-Gärtner aufgerufen werden, mit Hilfe der Gebietsbetreuungen öffentliche Flächen zu begrünen. Eine Liste der Gemeinschaftsgärten, Gartenagebote, Termine und Veranstaltungen finden ihr auf der Homepage des Vereins Gartenpolylog.

DIY-Tipp: Seedbombs selber machen

Ihr wollt mehr Grün in euer Stadt? Dann werdet zu Guerilla Gärtnern, bastelt euch ein paar Seedbombs und werft die „Samenbälle“ aus! Das geht überall dort, wo Erde liegt, aber auch in Mauerritzen oder zwischen Pflastersteinen. Ursprünglich kommen die Seedbombs aus Japan, wo sie in den 70er Jahren von den Guerilla Gärtnern eingesetzt wurden, um kahle Grünflächen mit Blumen zu verschönern. Die „Samenbomben“ bestehen aus Saatgut, Kompost und Lehm. Guerilla-Gardening-Guru Richard Reynolds nimmt dafür:

  • 5 Teile Tonpulver
  • 1 Teil Kompost
  • 1 Teil Saatgut
  • Wasser

Die Menge an Saatgut ist von der Grösse der Samen abhängig. Wenn ihr Sonnenblumensamen wählt, müsst ihr deutlich mehr nehmen, bei den kleinen Mohnsamen dagegen weniger. Alle Inhaltsstoffe für die Seedbombs in einer Schüssel gut mischen. Dann vorsichtig das Wasser dazugeben, bis sich eine „knetige Masse“ bildet. Wenn ihr die Samen noch vor Fressfeinden schützen wollt, könnt ihr eurer Mischung noch ein bisschen Paprikapulver beigeben. Anschließend fangt ihr an, die Samenbälle zu rollen. Nach dem rollen müssen die Seedbombs trocknen. Nach etwa zwei Tagen sind eure Samenbomben fertig und zum auswerfen bereit! Beim nächsten Regen, saugt sich der Ton voll und die Samen fangen an zu sprießen. 

Foto von Knit Spirit auf dem eine Samenbombe - auch Seedbomb genannt - zu sehen ist.

Foto: Knit Spirit

 

Die Gebietsbetreuung Stadterneuerung organisiert übrigens regelmäßig Pflanzentauschbörsen, Gartenstammtische und Info-Veranstaltungen.