Golden Oldies chic im Bild

2 Posted by - 10. Februar 2017 - Allgemein

Catherine Ebser fotografiert seit Sommer 2016 mit sehr viel Liebe und Leidenschaft chice ältere Ladies und Gentlemen. Einen Einblick in ihre Arbeit bietet sie nun erstmals im Rahmen einer eigenen Werkschau. Wir haben mit der Fotografin über ihr Projekt „Altmodisch“ gesprochen. 

Wen hast du für deine erste Ausstellung „Altmodisch“ fotografiert?

Bis auf meine eigene Oma (die musste natürlich auch Modell stehen!) sind alle Damen und Herren des ersten Shooting-Blocks Bewohner des St. Josefsheim Gmunden, ein Altersheim der St. Anna Hilfe. Die meisten sind zwischen 80 und 90 Jahre alt, aber es sind auch einige reifere Exemplare mit 92 und älter dabei. Ich war für die Dauer des Projekts letztes Jahr zwischen Juli und August fast jedes Wochenende in Gmunden. Die Bilder wurden im Rahmen eines Sommerfests im Haus präsentiert. Sie regen immer wieder zu interessanten Gesprächen, Erinnerungen und Anekdoten an – sowohl die Bewohner als auch Besucher. 

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Ich verfolge Street-Fashion-Fotografie mit älteren Damen schon seit Längerem und wollte unbedingt etwas Ähnliches machen. Allerdings ging es mir darum, Menschen in Szene zu setzen, die sich nicht mehr jeden Tag schön zurechtmachen können. Auf das Location selbst bin ich über meine Mutter gekommen, die im St. Josefsheim als Pflegerin arbeitet. Sie hat dieses Projekt erst möglich gemacht.

Wie war es, mit Senioren zusammenzuarbeiten?

Anfangs war bei manchen Damen und Herren einiges an Überzeugungsarbeit notwendig. Andere wiederum haben sich gleich ins Abenteuer gestürzt. Es war schön, sie im Anschluss mit einem tollen Bild oder einem außergewöhnlichen Look zu überraschen. Wichtig war, dass beim Styling immer ein Pfleger mit dabei ist, weil viele der Bewohner körperlich eingeschränkt sind. Das hat das An- und Umziehen erleichtert und den Menschen Sicherheit gegeben. 

Wie hast du die Looks zusammengestellt?

Ich bin mit meinem üppigen Fundus an Kleidungsstücken, Requisiten und Accessoires angereist und habe meine Models einfach gustieren lassen. Manche wollten unbedingt etwas Extravagantes, einen auffallenden Hut zum Beispiel oder ein verrücktes Schmuckstück, ausprobieren, andere haben zu Kleidungsstücken gegriffen, die sie an bestimmte Momente in ihrem Leben erinnert haben. Gemeinsam mit meiner Schwester, die mir mit etwas Rouge und Lippenstift geholfen hat und außerdem eine großartige Turban-Künstlerin ist, haben wir die Damen und Herren dann in Szene gesetzt.

Gibt es ein besonders schönes Erlebnis, von dem du uns erzählen möchtest?

Es haben sich viele schöne Geschichten zusammengesammelt, aber auch traurige, denn eines meiner Fotomodels ist mittlerweile verstorben. Bei den ersten Besuchen im St. Josefsheim habe ich eine Dame kennen gelernt, die überhaupt keine Lust hatte mitzumachen. “Lasst’s mi in Ruh’“, hat sie immer gesagt. Dann habe ich erfahren, dass sie früher jeden Tag Dirndl getragen hat, allerdings keines der Kleider mehr besitzt. Beim darauffolgenden Fototermin haben wir einen feschen Trachtenrock und ein besonders schönes Blumenkränzchen mitgebracht und da hat sie sich doch zu einem Foto hinreißen lassen. Das Bild ist eines meiner Schönsten! Man kann an ihrem Lächeln sehen, wie glücklich sie in diesem Moment war.

catherineerbser

„Altmodisch!“
4. März – 29. April 2017
Werksalon / 22., Stadlauer Str. 41A